„Wenn ich schon mal in China bin und da ist gerade Expo, dann sollte ich die auch besuchen“, dachte ich mir und so kam es, dass ich mich am vierten Tag meines Shanghai-Aufenthalts um 6:40 Uhr morgens in einer ewig langen Schlange vor dem Expo-Gelände wiederfand. Die Expo öffnete ihre Tore zwar erst um neun Uhr, aber wenn ich schon auf die Expo gehe, dann will ich wenigstens den chinesischen Pavillon sehen, dachte ich mir. Das ist allerdings nur möglich, wenn man ein Reservierungsticket hat und das bekommen nur die ersten 50.000 Besucher. Das bedeutet wiederum früh anstehen. In der Schlange habe ich dann einen netten Chinesen kennen gelernt, Peter. Peter studiert in Essen und hat erst vor einem Jahr Deutsch gelernt. Meine Güte, wenn ich mich daneben mit meinen zwei Jahren chinesisch sehe :/ Beeindruckend wie schnell er die Sprache gelernt hat. War ganz schön, dass ich ihn getroffen habe, so verging die Zeit beim Warten sehr viel schneller!
Das coole war, dass ich tatsächlich ein Reservierungsticket bekommen habe – für um 17:30 Uhr.
Peter ist dann den ganzen Tag mit mir über die Expo gelaufen.
Zuerst sind wir nach Europa. Wollten zunächst den deutschen Pavillon gucken. Da hieß es dann 4 Stunden Wartezeit und die Expo hatte gerade erst aufgemacht! Naja, also sind wir weitergelaufen und haben uns ein paar kleinere Sachen angeschaut.
Liuli, meine Mitbewohnerin, hatte mir im Vorfeld einen Expo-Reisepass im Internet bestellt, sodass man in jedem Land Stempel sammeln konnte, was ich dann auch fleißig gemacht habe. Vor allem die Chinesen waren ganz wild auf diese Stempel. Manchmal kam es mir so vor, dass sie nur in einen Pavillon gegangen sind, um einen Stempel zu bekommen und nicht, um sich den Pavillon anzuschauen. Hatte mit Peter ein Weilchen für Brasilien angestanden und kurz bevor wir rein kamen, hat er ein Schild gesehen, dass es heute im brasilianischen Pavillon keine Stempel gäbe, also wollte er wieder gehen – nach ca. 20 min Wartezeit und 3 min bevor wir rein konnten. Hab ihn dann doch noch überreden können, trotzdem es keine Stempel gab, sich den Pavillon anzuschauen.
Der Afrikanische Pavillon war auch recht interessant. Dort waren viele kleine Stände von den einzelnen afrikanischen Ländern. An jedem Stand hatten sie einen Mitarbeiter, des Pavillons als Stempelmaschine angestellt – welch ein ermüdender Job. Am Pavillon von Botswana schien die Stempelmaschine bei meinem Anblick recht erfreut mal ein nicht-chinesisches Gesicht zu sehen. Er hat dann ein Gespräch mit mir angefangen und hat mir mehr von Botswana erzählt – zum Leidwesen der stempelgeilen Chinesen, die dann leer ausgingen, denn er hat bei meiner Führung durch den Pavillon den Stempel mitgenommen. Aber Botswana scheint echt ein schönes Land zu sein. Er hat mir noch ein paar Infobroschüren mitgegeben. Vielleicht geht ja meine Wunschreise nach Botswana, Linda
Schließlich, als es nur noch 3 Stunden Wartezeit waren, haben wir uns dann am deutschen Pavillon angestellt. Ich war mir aber ziemlich sicher, dass ich mit deutschem Pass schneller rein kommen wollte. Die ganzen Volunteers die da rum standen, konnten einem aber nichts näheres dazu sagen. Habe Peter dann überreden können nochmal aus der Schlange raus zu gehen, um nachzuschauen, ob es nicht doch möglich ist. Das war auch gut so! Denn es gab wirklich einen Eingang für Deutsche. Nach ein wenig Bettelei durfte auch Peter mit rein und so kam es dass wir innerhalb von 5 Minuten statt 3 Stunden im Pavillon waren – was für eine Zeitersparnis! Im Pavillon selbst waren aber so viele Menschen, dass man sich den gar nicht in Ruhe anschauen konnte :/ Aber war schon recht gut gemacht.
Gegen fünf Uhr haben wir uns dann auf den Weg zum chinesischen Pavillon gemacht. Leider musste Peter kurz vorm Eingang feststellen, dass er seine Reservierungskarte verloren hatte und ohne die kam man nicht rein. Von da an bin ich dann also allein weiter, habe aber seinen Pass mitgenommen, damit er wenigstens einen Stempel vom Pavillon drin hatte
Bin dann also zusammen mit ganz vielen anderen Chinesen in so eine Art Legebatterie für Menschen und hab gewartet. Nach ca. 20 Minuten ging es dann zum Pavillon. Unter dem Pavillon war dann nochmal eine gaaaaanz lange Zickzack-Schlange in der man sich im Gänsemarsch fortbewegte. Nach ca. einer Stunde hatte ich dann auch diese Hürde bewältigt und war tatsächlich im chinesischen Pavillon angekommen. Der war auch wirklich sehr imposant!
Danach war ich aber so fix und fertig, dass ich mir nichts mehr anschauen wollte. Habe mich noch kurz mit Peter getroffen, um ihm seinen Pass zurück zu geben und bin dann zurück zum Hotel.