Ja, und gestern war es dann soweit. Ich glaub keiner kann eine längere Zeit nach China kommen und ungeschoren davonkommen. Gestern hieß es dann für mich KARAOKE. Ach wie ich das singen doch liebe – vor allem weil ich das ja so gut kann. Genau das richtige für mich. Aber ich dachte mir, einmal muss man das ja mal mitgemacht haben. Musste dabei an Bella denken, die liebt ja die Karaoke Sessions im Irish Pub. Vielleicht schaffen es ja die Chinesen mich zu bekehren. Dann komm ich mal mit, wenn ich aus China zurück bin
Also das ganze lief folgendermaßen ab. Gestern nach dem Mittagessen wollte ich ein Schläfchen machen – nicht lachen, das macht man hier so! Und dann ging einmal das Telefon – ob ich lust hätte mit singen zu kommen. Oh mein Gott, dachte ich mir, jetzt ist es soweit, ich muss zum Karaoke.
“Aber ich kann doch gar nicht singen – nur zuhören, ja?” – “Jaja, nur zuhören, ok.”. Von wegen!
Als wir dann mit 9 Mann in dem Karaoke-Schuppen angekommen waren, hieß es dann einmal: “Such dir ein Lied aus, die haben auch englische.” – “NEEEEIIIIIINNN!”, ich dachte die hätten vielleicht nur chinesische und dann könnte ich mich drücken, aber so hatte ich keine Ausrede mehr. Die Hälfte der Lieder kannte ich zwar nicht und dann kam noch erschwerend hinzu, dass die Interpreten dann meist auf chinesisch dort standen. Wer im Himmelswillen ist denn bitte 麦当娜? Achso, Madonna. Gut zu wissen.
Hab dann von R. Kelly “I believe I can fly gesungen”. Leider waren der Text auf der Leihnwand nicht sonderlich synchron mit dem Lied. Da ich nicht den kompletten Text kannte und deshalb teilweise auf das Lesen angewiesen war, kam ich irgendwann voll raus. Hinterher gab es trotzdem einen heftigen chinesischen Applaus (die klatschen in der Regel schneller als wir *hihi*, klingt lustig). Die anderen haben dann chinesische Schnulzen und Schlager geschmettert.
Aber war schon lustig, was die für eine englischsprachige Musikauswahl hatten – Sarah Connor und ganz viele Popstars Gruppen, von denen man spätestens nach einer Saison nichts mehr gehört hat.
Der Raum war ne kleine düstere, muffige Klitsche. Mit super kitschiger, klitzernder Motivtapete an den Wänden. In der Mitte stand ein Tisch an dem zwei Mikroanschlüsse waren. Drumherum waren gepolsterte Sitzbänke auf denen man es sich dann bequem machen konnte, um dann auf der gegenüberliegenden Wand die von einem Beamer projezierten Musikvideos mit Liedtext zu verfolgen.
Da die Knabbereien vor Ort total überteuert sind, macht man es in China genau wie bei uns. Man sucht sich ein paar Mädels mit großen Taschen und stopft dann das billig gekaufte Zeug da rein, um es dann in den Raum zu schmuggeln. Nur mit dem Unterschied, dass in China dann die Jungs dann die schweren Taschen tragen
.
Es gab Popcorn (was wohl ein Alibi-Kauf vor Ort war, damit das mit dem selbst mitgebrachten Zeug nicht so auffällt), Chips, Erdnüsse, Trauben und Sonnenblumenkerne. Jaja, die Sonnenblumenkerne; mit Schale… Die knackt man und lutscht den Sonnenblumenkern raus. Und was macht man hinterher mit der Schale? Ist doch klar! Auf den Boden spucken. Und nach kürzester Zeit sieht so ein Karaoke-Raum aus wie ein Saustall. Auf dem Boden überall Sonnenblumenkernschalen, auf dem Tisch alles voll mit leeren Chipstüten und Traubenkernen, auf den Sitzflächen lauter leere Flaschen. Ja, und genauso haben wir dann den Raum auch verlassen. Wenn wir das Zeug schon nicht vorort gekauft haben, dann können die Angestellten von der Karaoke-Bar das wenigstens weg machen. Dann haben die auch was davon
Jaja, war schon recht amüsant. Im Laufe des Abends hab ich dann noch “heal the world” von Michael Jackson, “leaving on a jetplane” (weil ich den Text noch einigermaßen aus dem Musikunterricht im Kopf hatte), und “killing me softly” gesungen. Hätte ja noch “no woman no cry” oder was von den Red Hot Chili Peppers gesungen, aber das hatten die nicht – aber Sarah Connor und Overground haben se *kopfschüttel*